Das Mittelalterliche Städtchen
Vianden automne
war die Hauptstadt der mächtigen Grafschaft Vianden, die ebenso groß war wie das heutige Großherzogtum Luxemburg. Sie umfasste 136 Dörfer und reichte bis nach Prüm und Bitburg.
Vianden war eine befestigte Stadt, die zu Füßen der Burgruine kauerte, von der sie beherrscht und beschützt wurde. Die Stadt war von einer Ringmauer umgeben, in der man 24 halbkreisförmige Türme und fünf Pforten zählte. Ein viereckiger Wachtturm, der sogenannte "Hockelsturm" auf einem Felsen zwischen der Burg und der Stadt, diente einem Wachposten als Aussichtsturm und wird heute als Glockenturm benutzt. Die Ringmauer wurde 1679 durch den Marschall de Boufflers zerstört, der ebenfalls die Burgen von Brandenburg, Falkenstein und Stolzemburg schleifen ließ. Um 1850 wurden die beiden letzten Stadtpforten, die obere Pforte und die Brückenpforte, abgetragen, weil sie den Verkehr behinderten.
Merian 1643
Wahrend des 15. Jahrhunderts
war Vianden eine blühende Stadt, die 400 Haushalte und 3 000 Einwohner zählte. Es war die dritte Stadt des Landes nach der Einwohnerzahl und verdankte seinen Wohlstand dem Talent seiner Künstler und dem Können seiner Handwerker, die in sieben Zünften zusammengeschlossen waren; in den Zünften der Gerber, der Tuchmacher, der Küfer, der Maurer, der Schneider, der Schlosser und der Goldschmiede. Die Viandener Goldschmiede schufen eine beeindruckende Zahl von weltlichen und religiösen Kunstwerken, die über den ganzen Raum der Ardennen und der Eifel verbreitet sind. Die sieben Zünfte hatten das Recht, eigene Maße zu gebrauchen für Flüssigkeiten, Getreide, Gewichte und Ellenwaren. Die Bronze-Eichmaße für das Getreide sind im Edouard-Wolff-Museum in Vianden ausgestellt.
Im Jahre 1308 erhielten die Viandener einen Freiheitsbrief und genossen fortan dieselben Freiheiten wie die Trierer Bürger. Die Stadt Vianden wurde von einem Bürgermeister und sieben Schöffen verwaltet, die ebenfalls das Recht sprachen. Vianden hatte ein Hoch-, Mittel- und Grundgericht, einen Gerichtshof der Lehnsmänner und der Adeligen
Musée d'Art Rustique
"E.Wolff"
Die Burg
wurde zum Symbol des Unglücks und des Leidens, die über Vianden hereinbrachen. Für die Herrscher aus dem Hause Nassau, die Vianden im 15. Jahrhundert durch Erbschaft erhielten, war die Grafschaft Vianden nur eine untergeordnete Herrschaft. Sie wohnten nicht in der Burg und ließen die Grafschaft durch Amtmänner verwalten. Es war der Beginn des Niedergangs der Stadt Vianden, der beschleunigt wurde durch die Aufhebung der Grafschaft im Jahre 1794, die Abtretung von 42 Dörfern der vormaligen Grafschaft an Preußen durch den Wiener Kongress von 1815, und durch die Errichtung einer Zollgrenze zwischen Vianden und diesen Dörfern nach dem Austritt Luxemburgs aus dem Zollverein im Jahre 1918.
Die französischen Truppen, die 1794 Luxemburg besetzten, hoben die Grafschaft Vianden auf, deren Ländereien nacheinander Napoleon I., seinem Bruder Louis Bonaparte und seinem General de Marboeuf gehörten. Der Wiener Kongress trat 1815 den größten Teil der ehemaligen Grafschaft Vianden an Preußen ab und gab den Rest zurück an Wilhelm I. von Oranien-Nassau, König der Niederlande, Großherzog von Luxemburg, der sich beeilte 1820 die Burg Vianden an den Meistbietenden zu verkaufen. Die majestätische Schloßburg wurde für 3 200 Gulden von dem Viandener Händler Wenceslas Coster erworben, der sofort das Schieferdach, die Holztäfelung, das Eisen, die Hausteine, die Türen und Fenster einzeln verkaufte. Die Eingangsstiege, die Möbel und einen Teil der Holztäfelung ließ er in seine Wohnung in der Unterstadt bringen. Dieses alte Burghaus, das 1475 errichtet wurde, diente später als Apotheke. Eine sehenswerte Sammlung alter Möbel des 17. und 18. Jahrhunderts ist mit alten Haushaltsgegenständen, den Eichmaßen für die Getreidemaße und seltenen Hinterglasmalereien in einem anderen alten Burghaus ausgestellt, in dem das Museum Edouard Wolff untergebracht ist.
Um die Entrüstung der Viandener zu beschwichtigen, kaufte Wilhelm I. die Burgruine für 1100 Gulden zurück. Heute gehört die Burg dem luxemburgischen Staat, der sie seit 1977 in ihrer einstigen Pracht restaurieren ließ.
Stadtführungen
Informationen:
ASBL des guides touristique des Ardennes Luxembourgeois
B.P. 41 L-9401 Vianden
Tél: (+352) 84 93 25-27
Fax: (+352) 84 93 25 72
E-mail: guides.ardennes@vo.lu
BERÜHMTE BESUCHER,
Könige und Staatsmänner, haben Vianden besucht, wie Königin Elisabeth von England, Königin Beatrix der Niederlande, der französische Regierungspräsident Robert Schumann, der deutsche Bundespräsident Gustav Heinemann usw.
"Eure Stadt ist nicht bekannt genug, sie ist nicht so bekannt wie sie es verdient. Ich werde alles tun was ich vermag, um sie besser bekannt zu machen und um zu ihrem Wohlstand beizutragen", hatte 1863 Victor Hugo gesagt, der tatsächlich zum Aufschwung des Viandener Tourismus beitrug. Im Jahre 1880 wurde im Stadtrat eine Kommission geschaffen, die sich um Arbeiten im Interesse des Fremdenverkehrs kümmerte, 1885 gab der Luxemburger Dichter Dicks den ersten Fremdenführer Viandens heraus, und 1893 wurde der Verschönerungsverein gegründet, der nach dem Zeiten Weltkrieg in "Syndicat d'lnitiative" {Verkehrsverein) umbenannt wurde.
Nach einem Jahrhundert touristischer Entwicklung verfügt Vianden über eine gute touristische Infrastruktur mit einem modernen Hotelgewerbe, mit bequemen Campings, ruhigen Ferienwohnungen, erholsamen Wanderpfaden und mannigfachen Unterhaltungsmöglichkeiten.
