Stadt + Mauer

Die Stadtmauer

Rundweg ganzjährig frei zugänglich, Länge ca. 1,4 km
Filmvorführung in der Tourist Info Tél: (++352) 83 42 57
Booklet erhältlich im Tourist Info

Tore, Türme, hohe Mauern prägen das Stadtbild Viandens seit dem Mittelalter. Das malerische Burgstädtchen gehört zu den wenigen ehemals befestigten Orten auf dem Gebiet des heutigen Luxemburgs und bietet ein in seiner Vollständigkeit seltenes Bild einer spätmittelalterlichen Ummauerung. In einem Seitental zwischen dem Ardennenflüsschen Our und der Burg zieht sich der imposante Mauerzug als nierenförmiges Oval um die historische Oberstadt, auf einer Strecke von rund 1150 m und mit einem Großteil seiner Türme.

Viele Jahrhunderte lang bot der Mauerring den Stadtbewohnern Schutz und Zuflucht. Er forderte von ihnen aber auch unermüdlichen Einsatz bei Bewachung, Verteidigung und Instandhaltung und setzte der wachsenden Gemeinde enge bauliche Grenzen. Ein moderner Kulturweg führt heute Bürger und Gäste auf uralten Pfaden um den Mauerring. Informationstafeln, Multimediastation, Film und Booklet erzählen auf anschauliche und unterhaltende Weise von der geschichtsträchtigen Beziehung zwischen Stadt und Mauer einst und heute.

Die befestigte Siedlung

Wohl bereits im Frühmittelalter entstand am fuße des schon in der Spätantike befestigten Burgbergs eine Siedlung. Zur Stadt entwickelte sie sich in der 1. Hälfte des 13. Jhs.: der Graf erbaute ein Hospital, die Trinitarier errichteten Oratorium und Kirchhof, später Kloster und Kirche. Von der Wohnbebauung zeugen bisher nur die Reste eines Wohnturms neben dem ersten Hospital. Die Durchgangsstraße verlief, archäologischen Befunden zufolge, etwa 20 m südlich der heutigen Straße parallel zum offenen Bachlauf. Eine erste Befestigung schützte die kleine Stadt, dokumentiert durch Schriftquellen, der Anschluss der Stadtmauer an die Burg auch durch archäologische Funde. Der Verlauf dieser Befestigung ist nicht geklärt, er stimmte wohl streckenweise mit dem der jüngeren Mauer zwischen Fluss und Markt überein. Ein unteres Tor sicherte den Flussübergang im Osten. Ein oberes Tor kontrollierte den westlichen Ortseingang. Ein Wartturm auf dem Felsen über der Siedlung diente dem Erspähen der Angreifer. Weitere Türme sicherten den Mauerzug, wie im 13. Jh. üblich auf viereckigem Grundriss und allseitig geschlossen. Vor dem unteren Tor, am anderen Flussufer entstanden bald Vorstadt und Kirche, vor dem oberen Tor ein Markt.

Vom Wehrbau zum Kulturdenkmal

Vom Wehrbau zum Kulturdenkmal

Noch 1744 mühten sich Viandens Bürger um die Instandhaltung der Stadtbefestigung und baten dazu den Amtmann um finanzielle Beihilfe. Doch schließlich gab man auf: 1776 wurden die ersten Türme versteigert, die Einnahmen aus der 1453 genehmigten Weinsteuer, die den Bau- und Unterhaltsarbeiten an der Stadtmauer dienten, 1787 zu anderen Zwecken verwandt. 1835-1850 wurden die Stadttore, nun als Verkehrshindernisse empfunden, niedergelegt.
Mit der Zunahme des Tourismus und der Restaurierung der Burg seit dem 19. Jh. erwachte auch das Interesse an den Resten der Stadtmauer wieder. Mit dem seit 1938 geschützten Kulturdenkmal beschäftigen sich heute die Archäologen, neue Erkenntnisse liegen bisher aber nicht vor.